Judging without knowing anything

Vorurteile, überall Vorurteile. Menschen die glauben, sie müssen über etwas urteilen was sie nicht verstehen. Menschen die sich nicht kümmern, sondern nur neugierig sind. Menschen denen es egal ist und Menschen die sich selbst psychische Erkrankungen aufzwingen.

Das alles gibt es, das alles enttäuscht mich. Ich denke dieser Eintrag wird diesmal etwas länger.

Wisst ihr...Vorurteile tun weh. Es tut weh wenn gesagt wird:
Borderline: Das sind gestörte Menschen die sich ritzen, die benutzten ihre Krankheit nur als Ausrede.
Depression: Kleine Emo-Kinder die bei jedem Scheiß rumheulen und sich das Leben nehmen wollen.
Essstörung: Abgemagerte Mädchen die es nicht auf die reihe bekommen zu Essen, sich fett fühlen, Aufmerksamkeit wollen und nach dem Essen kotzen gehen.
Selbstverletzung: Ritzende Mädchen die sich die Namen ihre Ex-Partner auf den Arm schneiden weil sie Aufmerksamkeit wollen und/oder einfach dumm und krank sind.
Angststörung: Schreckhafte, wegen alles rumheulende Kleinkinder

Manche von euch denken jetzt: Das ist doch die Wahrheit, nur etwas Krass ausgedrückt. Nein. Nein es ist nicht die Wahrheit und es ist nicht krass ausgedrückt, es ist genau das was sich in den Köpfen der emphatie losen Menschen vorsich geht.

Mich selbst verletzt sowas nicht, ich hab damit kein Problem. Ich verurteile niemanden für seine mangelnde Intelligenz bzw sein mangelndes Wissen. Ich finde es nur schlimm wenn sich jemand in Gegenwart eines betroffenen Menschen so äußert. Sich überhaupt äußert wenn derjenige nicht Bescheid weiß.

Es ist schwierig mit all dem leben zu müssen. Ich kann von mir behaupten von alldem Bescheid zu wissen, weil ich selbst Betroffen bin.
Und falls ihr euch wundert warum es so viel ist: Es gibt noch einiges was mich belastet, einiges was mir aber zu Privat und zu Intim ist, das hier zu erläutern. Also belass ich es bei diesen 7 Punkten.

Ja es ist schwierig mit Borderline zu leben. Es ist ziemlich schwierig impulsive Ausbrüche zu haben. Stimmungsschwankungen zu haben, die nicht mehr in die Norm passen. (Glaubt mir, ihr könnt euch nicht vorstellen wie weit normale Stimmungsschwankungen von denen eines Borderline erkrankten auseinander liegen) Es ist enttäuschend mit Menschen den man liebt, plötzlich und ohne Grund umzugehen als wären sie Fremde oder Straftäter. Ohne Grund. Einfach so.
Könnt ihr euch das vorstellen? Ich habe keinen Spaß daran Menschen zu verletzen oder abweisend zu sein. Es nicht hinzubekommen meine eigenen Freunde in den Arm zu nehmen wenn sie weinen.
Ich - kann - es - nicht.
Ich könnte durchdrehen, mich Ohrfeigen für all das was ich anderen angetan habe ohne dass sie ähnliches bei mir auch nur VERSUCHT hätten. Ich weiß dass ich meinen Freunden wichtig bin, dass sie mich lieb haben. Trotzdem zweifel ich alles an. Unterstelle ihnen das unmöglichste.
Ich nehme immer alles persönlich, fühle mich angegriffen. Oft provoziere ich Streit. Immer und immer wieder. Immer wieder spreche ich Dinge an, obwohl ich weiß ich müsste es lassen, einfach um irgendwas in dieser Person auszulösen. Und es tut mir leid.
Ich habe durch mein Verhalten, welches durch meine Emotional-Instabilen Persönlichkeitsstörung, wie Borderline auch genannt wird, viele Bindungen zerstört die ich hatte.
Und mich im Endeffekt auch.

Depressionen heißt nicht immer Suizidalität.
Depressionen sind weit aus mehr. Es ist nicht schön eine schlechte Stimmung zu haben, oder traurig zu sein und man weiß nicht warum. Einzelne kleine Worte, die nicht einmal böse gemeint sind, ziehen einen runter. Und nein, man heult nicht immer rum. Es ist teilweise so, dass man es satt hat wegen ein und den selben Sachen zu weinen. Dass man einfach nur noch drüber lacht, es versucht wegzulachen. Es ist mir zum Beispiel ziemlich peinlich zuzugeben dass ich in einer "depressiven" Phase bin. Manchmal hab ich Angst meine Freunde zu nerven oder so. Und ich weiß ich bin nicht die einzige. Ich weiß reden hilft. Depressive Menschen können nichts dafür dass sie sensibel sind, nachdenklich, isoliert und teilweise anstrengend. Doch ihr, ihr die keine Ahnung habt, ihr ohne Einfühlungsvermögen, gebt ihnen das Gefühl auf sich allein gestellt zu sein, nervig zu sein. "Mach doch einfach" Und das verschlimmert alles nur.

Wenn man eine Essstörung hat, bedeutet es nicht immer, dass man abgemagert ist. Es bedeutet nicht dass man jedes Mal nach dem Essen kotzt. Es heißt Ess-Störung & nicht Gewichtsstörung. Es beginnt im Kopf. Es beginnt mit Selbsthass, Stress, Angst, Ekel oder sonstigem. NICHT und wiederhole nicht mit Untergewicht. Das Untergewicht ist das eventuelle Resultat davon. Menschen mit einer Essstörung hungern nicht zwingend. Sie fasten - ja. Aber nicht immer. Viele fressen sich heimlich voll. Sie verabscheuen essen nicht nur. Sie lieben und hassen es zugleich. Es gibt nichts was sie mehr wollen als einfach zu essen und es zu schaffen einfach nicht zu essen. Es ist paradox. Ich weiß. Aber es wäre keine Krankheit wenn das alles so einfach wäre. Ihr denkt es ist Vorteilhaft eine Essstörung zu haben, Magersüchtig zu sein. Darf ich allen die, diese Meinung teilen mal eben ins Gesicht kotzen?
Man kann sich nicht vorstellen wie sehr man sich hasst, selbst wenn ein Tag "gut" lief. Selbst wenn man nicht gegessen hat. 10kg abgenommen hat. Man hasst sich für seine krankhafte Fixierung zu Gewicht und Essen. Einem wird förmlich das Leben genommen. Man kann niewieder ein Essverhalten entwickeln ohne sich zu hassen. Ohne sich zu ekeln. Ohne in seinen Bauch zu greifen ohne heulen zu wollen. Außerdem bedeutet Magersucht nicht gleich Bulimie. Und andersrum. Menschen mit Bulimie sind nicht dürr. Sie haben meist ein normales Gewicht manchmal sogar Übergewicht. Sie essen nicht normal und übergeben sich. Sie essen bis zu 13 TAUSEND Kcal. Wisst ihr wie viel das ist? Wisst ihr wie der Bauch eines Bulemikers aussieht wenn sie eine Fressattacke hatten? Wie sehr sie sich für ihr Verhalten hassen? Sie ekeln sich vor sich selbst. Es gibt außer den beiden auch noch weitere Essstörungen wie Binge Eating & Adipositas, aber das würde zu weit das jetzt auch noch zu erklären. Es ist garnicht in Worte zu fassen wie sehr Menschen mit einer Essstörung leiden, es bringt sie zu nichts. Und es ist NICHTS was anstrebenswert ist. (Also fickt euch ihr Pro Ana Opfer.)

Nun zu einem heiklen Thema. Selbstverletzung. Leute, ernsthaft. SVV bedeutet nicht nur sich zu "ritzen", sich Herzchen oder Namen auf die haut zu schneiden. Es bedeutet: Schneiden, verbrennen, schlagen, kneifen, beissen, kratzen, Haare ausreissen, hungern und vieles mehr. Also nein. Es ist keine "Emo-Mode" Es ist nichts was man tut um Aufmerksamkeit zu bekommen. Eventuell, bei manchen, aber nicht immer. Es ist ein Ausweg, ein Ventil. Und den ganzen Dreck von wegen: Ich will spüren dass ich am Leben bin, könnt ihr euch in den Arsch schieben. Self-harmer wissen dass sie am Leben, und das ist das Problem. Das Problem ist dass sie leiden, sich hassen, sich bestrafen für ihr Verhalten. Aber auch nicht immer. Jeder Mensch ist anders. Andere tun es um sich zu beruhigen, andere weil sie sich taub fühlen, andere widerum wollen die Narben sehen. Es optisch vor sich haben was innen vorsich geht. Und ganz andere wollen sich vielleicht ablenken oder abgeargieren. Es gibt so viele verschiedene Gründe wie es Menschen gibt die es tun.
Und zu guter letzt: Menschen die sich selbst verletzen, wollen nicht unbedingt immer sterben.
Sonst würden sie sich nicht verletzen um weiterhin klarzukommen, sondern direkt umbringen. Glaubt mir.

Über Angststörungen zu schreiben ist schwierig, da es bei jedem anders ist.
Einige erleben traumatische Erlebnisse und andere haben eine zu schwache Psyche um einiges zu verarbeiten oder als ungefährlich einzustufen. Es handelt sich aber so gut wie immer um eine Angst die du nicht beschreiben kannst, meistens weißt du nicht einmal wieso du ängstlich bist, wovor und was der Auslöser dafür war. Du hast einfach Angst. Ob im dunklen im Bett oder draußen auf der Straße, es kann überall passieren. Triggernde Erlebnisse können es provozieren, Geräusche, Schatten. Es ist keine normale Angst. Du hyperventulierst, du weinst, du zitterst. Und diese Angst geht nicht weg, du bist nicht in der Lage dich abzulenken. Und diese Angst kommt immer und immer wieder. Nein, es ist nicht so, dass diese Menschen Angst haben wenn sie einen Horrorfilm sehen. Viele die ich kenne gucken nichts lieber als Horrofilme, obwohl sie eine Angststörung haben, ausgelöst durch was auch immer. Es ist eben keine "normale" Angst wie viele andere es haben. Wie Menschen das eben haben.

Zum Schluss möchte ich über diejenigen etwas sagen die sich solche Krankheiten einreden oder sie anstreben. Am schlimmsten ist es bei der Magersucht.
Ihr seit der Grund, dass Menschen wie wir, nicht ernst genommen werden. Warum wir keinen Klinikaufenthalt bekommen, warum wir gemobbt werden. Ihr habt keine Ahnung wie sehr ihr euch das Leben damit zerstört und tut mir Leid sowas zu sagen aber wenn ihr DANN rumheult wie scheiße euer kümmerliches leben ist, sage ich: Selbst Schuld.
Ihr könnt euch ja mal die Folgen solcher Krankheiten durchlesen/ansehen. :)

Nun gut, ich hoffe dass die, die es bis zum Schluss gelesen haben, es sich etwas zu Herzen nehmen, denken bevor sie urteilen. Bitte beachtet, dass das was ich hier aufgezählt und erklärt habe, nicht bei jedem zutrifft, ich habe hier nur über den Großteil gesprochen und genrell über das gröbste. Ich hoffe es fühlt sich keiner angegriffen, bei dem es anders ist bzw falls ich etwas vergessen haben sollte. Aber dafür ist ja die Kommentarfunktion da. So, mehr hab ich nicht zu sagen. Meine Finger sind wund und ich könnte mich vor Hass uns Scham, solcher Menschen gegenüber übergebe.

9 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hat mir die augen geöffnet, danke <3

Mary hat gesagt…

Sehr treffender und gut formulierter Blog-Eintrag. Ich hoffe, dass viele diesen Eintrag lesen. Viel mehr Menschen sollten so denken. Es ist schade, dass das nicht selbstverständlich ist...

Alles Liebe!

Anonym hat gesagt…

Danke ♥♥

Anonym hat gesagt…

Wow weiter so. Wirklich guter Eintrag

Anonym hat gesagt…

Domi. Ich hoffe viele Leute werden diesen text von dir lesen! Du wirst bestimmt manchen die Augen öffnen. Jedenfalls denen die noch etwas verstand haben.
Ich danke dir <3

Luckyboy hat gesagt…

Ich mags wie du so offen über deine Probleme redest und sie uns schilderst, großes Lob. Ich hoffe dir wird es in kommender Zeit richtig gut gehen und irgendwas tolles soll dir widerfahren ;)
außerdem will ich dir ein Tipp geben wie du selbstbewusster wirst. Akzeptiere dein Ego so wie er ist und zweifle nie an dich.

Anonym hat gesagt…

Ich habe deinen Blog nur per Zufall gefunden und mir diesen ganzen Text durchgelesen. Borderline, du hast mir endlich die perfekte Erklärung dazu gegeben. Damit meine ich, das ich Jahrelang gedacht habe das ich einfach nur zu 'Behindert'eine Freundschaft normal zu führen. Genau so wie du es beschrieben hast, dieses 'Ich-kann-auf-die-Gefühle-von-anderen-nicht-eingehen' oder einfach einen Streit anzetteln weil man sich persönlich angegriffen fühlt...
Ganz ehrlich, für alleine DIESEN Blogeintrag respektiere und beneide ich dich. Aber nicht dafür, das du das alles hast, sonder du WEIßT was mit dir los ist und das können wirklich nur sehr wenige Menschen von sich behaupten. Danke dafür, vielen Dank. (Tut mir Leid wenn ich irgendeinen wirrwarr zusammengetextet habe, bin leider nicht so gut in Deutsch)

Breathe hat gesagt…

Ich finde deine Erklärungen auch richtig gut. Bei manchen Themen wusste ich nie, wie ich es genau erklären sollte bzw es verstehen soll. Aber jetzt ist es mir schon um einiges klarer. Nicht nur das. Als ich manche Dinge gelesen habe, dachte ich oft nur, dass mir diese Situationen bekannt vorkommen und dass ich es nie erklären konnte. Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, sowas auf einmal irgendwie perfekt erklärt vorzufinden.
Ich hätte auch viel weinen können. Nicht weil ich es kenne oder so. Sondern, weil du es so erklärt hast, dass diese Emotionen einen gefangen nehmen. Ich persönlich konnte die Dinge auf einmal nachempfinden, auch wenn es nur ein bisschen war. Bei dem Thema Essstörung war es so.
Außerdem kenne ich viele Dinge durch meine beste Freundin. Es macht mich einfach immer wieder traurig sowas zu lesen und dann ganz genau zu wissen, wie schrecklich es auch anderen Menschen geht.

Ich hoffe wirklich viele lesen das und nehmen es sich zu Herzen oder fühlen sich irgendwie verstanden - Ich hoffe du weißt was ich meine.

Zu guter Letzt noch: Ich wünsche dir viel viel Glück in deinem Leben und ich hoffe dir geht es in vielen Dingen besser, als es dir anscheinend früher mal ging.
Ich kenne dich durch Ask.fm und leider nicht persönlich, aber du bist mir trotzdem irgendwie sympatisch und ich drücke dir wirklich in vielen Dingen die Daumen etc etc.

Mit lieben Grüßen <3

Anonym hat gesagt…

Ich hätte da mal eine frage..
Wie würdest du es jetzt finden wenn Leute auf einmal sagen sie hätten Borderline oä.? Weil sie sich mit dieser Situation die du beschrieben hast einfach identifizieren konnten? Weil ihnen es so bekannt vorkommt? Findest du es dann eher 'gut' das du jemandem die augen geöffnet hast und das er wegen dir jetzt weiß das er eine Krankheit hat oder findest du es dann Schwachsinn das einer plötzlich behauptet er hätte Borderline? Würdest du dich dann wieder verarscht fühlen? Bitte antworte. :)